Landes Arbeits Gemeinschaft Spiel und (Theater) in Schleswig- Holstein e.V.

Die LAG Spiel ist ein freier Zusammenschluss von Menschen, die an der Verbreitung, Förderung und Entwicklung der Schauspielkunst interessiert sind.

Sinn und Zweck der LAG Spiel ist: Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, ihre individuellen, kreativen Ausdrucksformen, schwerpunktmäßig im Bereich der Schauspielkunst, zu entdecken und zu entwickeln. Professionelle Theatermacher, Schauspieler, Musiker und Tänzer, werden von uns, der LAG Spiel engagiert, um in den verschiedensten Werkstätten an verschiedenen Veranstaltungsorten in Schleswig- Holstein künstlerisch mit Menschen aller Altersgruppen zu arbeiten.

Im weiten Feld dessen, was heute unter die Begriffe Schauspielkunst und Theater fällt, werden in den Kursen Zugänge zu verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen wie Sprache, körperlicher Ausdruck, Tanz, Video, Installation, Musik, Technik, Fotographie, etc. vermittelt.

Geschichte

Die LAG Spiel in Schleswig- Holstein blickt auf eine lange Vorgeschichte zurück. Sie gründete sich Mitte der siebziger Jahre und übernahm unter anderem die Rolle der bis dahin lose bestehenden Organisationen der Spielgruppen in Schleswig- Holstein, die seit den frühen 50er Jahren bestanden haben und auch bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet waren. Bis heute ist niederdeutsches Theater ein Schwerpunkt in der Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft Spiel in Schleswig- Holstein.

Spielgruppen, waren Laientheatergruppen, die als fester Bestandteil der Dorfkultur zumeist in Niederdeutschen Dialekten, literarische Vorlagen auf die Bühne brachten. Spielgruppentreffen in Norddeutschland besitzen eine lange Tradition. Anfang der Siebziger Jahre begann mit den strukturellen Umbrüchen in der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Wandel der traditionellen Dorfgemeinschaften die Auflösung vieler Spielgruppen. Gleichzeitig entstanden aber auch neue Ansätze und Zusammenschlüsse im Bereich des Laientheaters.

Gründerzeit der kulturellen Jugendbildung

Anfang der siebziger Jahre waren es überwiegend Pädagogen, die jungen Menschen die Möglichkeit geben wollten, neben der Schule eine andere, ganzheitliche Form der Bildung zu genießen und damit zu etablieren. Schon damals sahen viele Reformpädagogen die Mängel des Schulsystems, dass geprägt ist durch Selektion, Leistungsdruck, Frontalunterricht im 45 Minuten Takt in einer eher Kasernenartigen Umgebung. Es wurden von den Machern der kulturellen Jugendbildung völlig gegensätzliche Prinzipien und Arbeitsweisen entwickelt, nämlich: freiwilliges Lernen mit Zeit, ganzheitliches Lernen, Förderung der Kreativität, und Lernen mit Freude und Begeisterung, Förderung des Engagements. Das charakterisiert das Prinzip Werkstatt- Lernen. So entwickelte sich die heute fest etablierte kulturelle Jugendbildung in Schleswig- Holstein, die sich als LKJ (Landesverband) einen Dachverband der einzelnen Landesarbeitsgemeinschaften im kulturellen Bereich, schuf.

Theaterarbeit heute

Die Realität dessen was Schauspiel und Theaterarbeit heute ausmacht hat sich in den letzten 30 Jahren drastisch verändert. Besonders in den achtziger Jahren kam auch Bewegung in die großen Stadttheater, es veränderte sich die Form und die Arbeitsmethoden der Inszenierungen. Es begann die Postmoderne. In genau dieser Zeitspanne etablierte sich der Berufsstand des Schauspiel- oder Theaterpädagogen. Dies geschah offensichtlich aus dem wachsenden Bedürfnis einer steigenden Zahl von Menschen, nach kreativen, ganzheitlichen Ausdrucksmöglichkeiten, auch, um sich politisch zu artikulieren, und oder um sich persönlich weiterzuentwickeln. Schauspieltechniken und theaterpädagogische Methoden fanden Einzug in viele Arbeitsbereiche, sei es als Unternehmenstheater, Psychodrama, Theatertherapie, etc., entsprechende Ausbildungszweige und Berufsbilder entstanden bzw. wurden geschaffen.

Die Bedeutung von Schauspiel in Bezug auf kulturelle Bildung Heute

Schauspiel in seinen vielfältigen Formen ist heute zu einem multikulturellen- und multimedialen Labor geworden, dessen Grenzen zu anderen Genres und zu sich selbst fast aufgelöst sind. Dennoch oder gerade deshalb wird das Medium Schauspiel immer mehr als Form und Möglichkeit begriffen, um pädagogische Wirkungen zu erzielen. Es ist ein Freiraum, um das Einnehmen von Standpunkten und Positionen auf vielschichtigen Ebenen spielerisch einzuüben. Man könnte auch vorsichtig sagen: das Leben zu üben. Neben allen anderen Wirkungen und Kompetenzen, die Schauspielarbeit erzielt und vermitteln kann, erscheint es uns, dass dies der wesentlichste Aspekt für die jungen Teilnehmer ist: Zu lernen und zu erforschen, wie das Miteinander von Menschen gelingt und oder scheitert.

Dieses Anliegen wird von Kindern und Jugendlichen ausdrücklich formuliert. Und so wird die Theaterarbeit in unseren Werkstätten angewandt, um die Funktionsweise zwischenmenschlicher Beziehungen zu untersuchen, mittels der Improvisation, des Rollenstudiums, und der Anwendung, Prüfung von Gesetzmäßigkeiten und Regeln, die auf der Bühne existieren und oft auf das „wirkliche Leben“ übertragbar sind. Gesucht werden Lösungen, Perspektiven und Möglichkeiten für erschaffene Charaktere und Figuren in ihrem spezifischen Umfeld und ihrer soziologischen und historischen Situation. Untersucht werden Wirkungen bestimmter Handlungs- und Verhaltensmuster und die damit verbundenen Emotionen. Untersucht werden Träume und Sehnsüchte, Ängste und Zorn, Liebe und Gewalt. Die Geschichten entstehen aus der Realität der Teilnehmer. Über diesen Weg entstehen besondere Inszenierungen, die charakteristisch für viele Werkstattaufführungen der LAG Spiel geworden sind.

Doch wie kann man die jungen Menschen auf das Leben vorbereiten. Weder ist absehbar, welches Wissen relevant ist, noch die Wahrscheinlichkeit einer vorhersehbaren Berufslaufbahn, noch der Lebensort und die Rahmenbedingungen, denn all diese Parameter in einer menschlichen Biographie werden zunehmend ungewisser. Die Bedeutung ehemals fester Größen wie Familie, Dorfgemeinschaft, Freundeskreis, moralischer und oder religiöser Wertesysteme als Orientierungshilfen werden fragiler, in dem Maße wie sie sich selbst im Wandel und Umbruch befinden. Der einzelne Mensch in seiner ureigenen Individualität wird zunehmend ins Zentrum jeglicher Entscheidungsfindung gerückt und damit mehr oder weniger überfordert. So wird die wachsende Bedeutung kultureller und kreativer Aktivität und die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur deutlich, die die Möglichkeit verstärken, dass der Mensch zu sich selbst findet, zu seiner Identität und damit zu einem inneren Leitfaden, um seine individuellen Begabungen zu entwickeln und zu entfalten, um einen Lebensweg gestalten zu können. Denn es geht in unserer modernen Gesellschaft grundsätzlich immer weniger um das Funktionieren in einem System, sondern um das Gestalten in einem System, auch wenn das in einigen Systemen wie z.B. Schule, noch nicht voll erkannt wurde, und die Systeme dann an der mangelnden Partizipation und Gestaltungsmöglichkeit durch ihre Bestandteile in die Krise rutschen. Doch ohne aktive Gestaltung können Veränderungen nicht umgesetzt werden. Und diese Fähigkeit muss erst einmal geschult werden. Schauspiel ist ein hervorragendes Instrument, um dies zu erlernen.

LAG Spiel Heute

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der LAG Spiel sorgen in Abstimmung mit den freien pädagogischen Mitarbeitern für ein kontinuierliches, fortlaufendes Angebot (siehe Programm) und dabei auch, um die ständige Weiterentwicklung der pädagogischen Konzepte und Inhalte, um auf aktuelle Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft als auch in der Kunst zu reagieren Glücklicherweise arbeiten die meisten der Seminarleiter seit vielen Jahren für die LAG Spiel und konnten so ein reiches Repertoire an Erfahrungen sammeln. Das scheint auch bei den Teilnehmern gut anzukommen. Die Auslastung der Kurse liegt bei 90-100 %, oft darüber. Die Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Viele Kinder haben sämtliche Angebote von der „Kindertheaterzeit“, über „Teenytheater“ bis zum Studiospielkreis und dem „Sommertheaterprojekt“ und somit alle altersspezifischen Angebote durchlaufen. Einige sind heute an Schauspielschulen und studieren dort weiter, was sie schon als Kinder begonnen haben. Ein wichtiger Schwerpunkt stellt die Arbeit mit den Multiplikatoren dar, d.h. langjährige Teilnehmer werden zu „Teamern“ ausgebildet, Jugendliche, Studenten und Menschen aus sozialen Berufen hospitieren in den Werkstätten. Ein Fortbildungsangebot für Lehrer und Erzieher steht kurz vor der Pilotphase.

Neben dem festen Jahresprogramm (siehe Programm) entstehen zunehmend Kooperationen mit anderen sozialen Einrichtungen, Bildungsträgern und Schulen, die vom Theaterpädagogischen Know-how unserer Referenten profitieren. Und gemeinsam Projekte durchgeführt werden. (siehe Kooperationen)

In Zeiten der Einsparungen und Kürzungen seitens der öffentlichen Hand vor allem im Bereich der Bildung und dem Sozial- und Gesundheitswesen, bezieht die LAG- Spiel eine eindeutige Position, und fordert massiv den Ausbau einer ganzheitlichen Bildungslandschaft als wichtigste, wirksame und langfristige Investition in die Zukunftsfähigkeit und Konkurrenzfähigkeit unserer Gesellschaft. Bildung muss in Zukunft von Seiten der Politik und der Behörden eine höhere Priorität erhalten, indem sie als wirtschaftliche Investition in die Zukunfts- und Konkurrenzfähigkeit einer Gesellschaft und Volkswirtschaft verstanden werden. Die wirtschaftliche Realität in den Familien bestätigt allerdings das Gegenteil, denn sie tragen einen immer größeren Anteil an den Bildungskosten. Die Chancengleichheit sinkt bei ansteigender Kinderarmut und ansteigender Jugendkriminalität.

Verein

Mitglied bei der LAG Spiel S-H e.V. kann jedermann oder jede Frau werden, die sich mit unserer Zielsetzung einverstanden erklärt und gern aktiv oder passiv an unserer Arbeit Anteil nehmen möchte. Die LAG Spiel in S.-H. e.V. ist Mitglied in der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Schleswig-Holstein, beteiligt sich an gemeinsamen Projekten der LKJ mit anderen Trägern, denen Spiel und Theater am Herzen liegen. Sie ist Mitglied der Bundes AG Spiel und Theater.